Hamburger Motoren-Fabrik Carl Jastram,

Hamburg-Bergedorf

 

Im Jahr 1873 richtete CARL JASTRAM in Hamburg-Bergedorf eine Werkstatt ein, in der er sich anfangs wohl nur mit Schlosserarbeiten beschäftigt hat. Als die Viertaktmotoren aufkamen, wurde CARL JASTRAM sehr frühzeitig auf sie aufmerksam. Sogleich nach dem Fall des Viertaktpatentes begann er 1887 mit dem Bau eines kleinen Petroleummotors von 2 PS Leistung, den er allein entwarf und mit Unterstützung weniger Gesellen gebaut hat. Außer dem Schwungrad und der Kurbelwelle wurden alle Teile mit der Hand bearbeitet. Sein erster Motor, der 260 Umdrehungen in der Minute machte, erhielt 1889 auf der Hamburger Industrieausstellung eine Auszeichnung.

Um die Jahrhundertwende bot die Hamburger Motoren-Fabrik schon fünf verschiedene Größen mit Zylinderleistungen von 2 bis 20 PS als "Stationäre Petroleum- oder Benzin-Motore“ sowie als "Petroleum- oder Benzin-Boots-Motore Patent Jastram“ an. Es waren Ein- und Zweizylindermotoren mit Drehzahlen von 300 bis 420 U/min. "Der Verbrauch beträgt höchstens 0,5 kg per Stunde und effective Pferdekraft.“ Die Bootsmotoren wurden in der Fabrikation bald vorherrschend; die Nähe des Hamburger Hafens begünstigte ihren Absatz.

 

Ansicht der Hamburger Motoren-Fabrik Carl Jastram in den 50er Jahren

 

Die Drehzahlregelung dieser Motoren erfolge über Aussetzer, die Einlassventile waren ungesteuert (sog. Schnüffelventile). Ausserdem waren sie mit Glührohrzündung versehen. Bemerkenswert ist die Anwendung einer indirekten Kraftstoffeinspritzung (in den Einlasskanal, ähnlich wie bei modernen Ottomotoren). Die Motoren waren nicht umsteuerbar, d.h. sie behielten auch bei Rückwärtsfahrt ihre Drehrichtung bei, und die Propellerwelle musste durch ein Zahnradwendegetriebe auf Rückwärtsfahrt umgelegt werden, oder der Propeller war mit drehbaren Flügeln versehen.

CARL JASTRAM erreichte das hohe Alter von über 90 Jahren. Unternehmend wie er war, begann er im Jahr 1909, angeregt durch die Brüder ORVILLE und WILBUR WRIGHT, die damals zum ersten Mal ihre Flüge in Deutschland zeigten, mit dem Entwurf eines Flugmotors. Er baute einen sechszylindrigen Motor mit hängenden Zylindern, eine Bauart, die zu jener Zeit in Deutschland neu war. Bestimmend für die Wahl dieser Zylinderanordnung war, daß sie das Ansammeln des Schmieröls im Kurbelgehäuse verhinderte; so konnten die unteren Köpfe der Pleuelstangen das Öl nicht im Kurbelgehäuse umherschleudern, und das zu reichliche Schmieren der Kolben und das damit verbundene Verölen der Zündkerzen war vermieden. Der Motor wurde nach gut bestandenen Probeläufen in ein von dem Konstrukteur THELE entworfenes Flugzeug eingebaut, dem das Fliegen aber nicht gelang. Es konnte nur Sätze von 20 - 30 m Länge machen, sich aber nicht länger in der Luft halten. Diese Versuche ermutigten Carl Jastram nicht, den Flugmotorenbau fortzusetzen. Statt dessen baute er weiter Schiffsmotoren.

Nachdem die Dieselpatente gefallen waren, ging auch CARL JASTRAM 1909 zum Dieselmotorenbau über. Er wählte das Zweitaktverfahren, das ihm baulich einfacher erschien. Seine Motoren hatten im Zylinderkopf ein Spülventil und im unteren Teil der Zylinderlaufbahn Auspuffschlitze; sie arbeiteten mit der Gleichstromspülung. Die Schwierigkeiten, die der Zweitakt bietet, hatte CARL JASTRAM wohl unterschätzt; es dauerte fast drei Jahre, bis es ihm gelang, seinen Zweitaktmotor verkaufsreif zu machen. In der Folgezeit erwarben sich die Jastram-Schiffsmotoren, die dann im Viertakt arbeiteten, einen guten Ruf. Sie galten als besonders langlebig und robust.

Die kompressorlosen Dieselmotoren der späteren Jahre zeichneten sich vor allem durch ihre Zylinderkonstruktion aus. Diese waren einzeln stehend, mit angegossenem, nicht abnehmbarem Zylinderkopf und wurden mit durchgehenden Zugankern am Kurbelgehäuse angeschraubt. Um die Wartung der Ventile zu erleichtern, konnten diese samt Käfig nach oben ausgebaut werden. In den 50er Jahren wurden sie auch Turbo-Aufgeladen.